Verbraucherpolitisches Forum 2021 auf der digitalen Grünen Woche

Thema: Nachhaltigkeit beim Lebensmitteleinkauf

Auch dieses Jahr fand während der Grünen Woche in Berlin wieder das Verbraucherpolitische Forum der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) statt – wenn auch nicht in gewohnter Form vor Ort, sondern coronabedingt diesmal rein digital. Thematisch ging es um “Nachhaltige Lebensmittelproduktion – Welchen Preis zahlen wir?” Diskutiert wurde über die wahren Kosten unserer Lebensmittelproduktion, die Möglichkeiten und Grenzen von Siegeln und die Notwendigkeit von gesetzlichen Rahmenbedingungen.​

Einerseits sind überfüllte Schweineställe zu beklagen, aber auf der anderen Seite ist da der kritischer werdende Verbraucher, der immer mehr Wert legt auf nachhaltige Produkte, stellt Prof. Klaus Grunert von der Aarhus Universität (Dänemark) fest. Doch wann ist Nachhaltigkeit gegeben und wie kommen wir dahin?, stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage. Es gibt eine Vielzahl von Labels, die alle Nachhaltigkeit versprechen, aber bei denen man schon aufgrund der Vielzahl den Überblick verliert.

“Es bedarf einer glaubwürdigen Kommunikation von Produkteigenschaften als Voraussetzung für einen grünen Umbau der Landwirtschaft”, so Prof. Klaus Grunert. Denn Nachhaltigkeit könne man weder sehen noch schmecken, so dass es für die Verbraucher schwer ist, den Überblick zu behalten beziehungsweis festzustellen, ob es sich überhaupt um nachhaltige Produkte handelt. Wann sagen die Preise die Wahrheit aus, nämlich dass alle Umweltschäden, die bei der Produktion entstehen, miteinbezogen werden. Doch wie können vertrauenswürdige Labels aussehen? Beispielsweise müsste irreführende Werbung unterbunden werden. Dazu bedarf es einheitlicher Standards. Schwierig wird es jedoch, alles in einem Label zusammen zu fassen.

Unfaire Handelspraktiken verbieten

Vzbv-Vorstand Klaus Müller mekte an, dass nicht allein die Verbraucher durch ihren Einkauf Missstände in der Produktion von Lebensmitteln korrigieren könnten. Er appellierte an die Bundesregierung, Konzerne durch Regelungen wie das Lieferkettengesetz und die Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in die Pflicht zu nehmen. Um der ruinösen Preispolitik ein Ende zu setzen, müssten Dumpingpreise und unfaire Handelspraktiken generell verboten werden, sagte Marita Wiggerthale, Referentin für Welternährung und globale Agrarfragen bei Oxfam Deutschland.

Wollte man tatsächlich auch alle Folgekosten miteinbeziehen, würde dies unweigerlich zu höhren Preisen führen, wurde festgestellt. So kam dazu der Vorschlag, dass dann widerrum der Mindestlohn erhöht werden müsste, aber auch der Hartz IV-Satz, damit Menschen der unteren Einkommengruppen nicht benachteiligt würden.

Eine aktuelle Umfrage der vzbv unter Verbrauchern ergab dazu folgende Ergebnisse:

  • Beim Kauf von Lebensmitteln sind den Befragten gute Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in der Lebensmittelproduktion und die Einhaltung hoher Tierschutzstandards (jeweils 95 Prozent „eher bzw. sehr wichtig“) am wichtigsten.

  • Die Einhaltung hoher Umweltstandards ist für 92 Prozent der Befragten „eher“ bzw. „sehr wichtig“, ebenfalls 92 Prozent der Befragten legt Wert darauf, dass die angebotenen Lebensmittel aus der Region kommen.

  • Niedrige Preise für Lebensmittel sind dagegen nur für 40 Prozent der Verbraucher „sehr“ bzw. „eher wichtig“. Für 90 Prozent der Befragten ist es „sehr“ bzw. „eher schwer erkennbar“, ob die Produzenten einen fairen Preis erhalten haben. Die Einhaltung hoher Umweltschutzstandards in der Lebensmittelproduktion ist für 87 Prozent der Befragten „sehr“ bzw. „eher schwer erkennbar.“

  • Gut acht von zehn Befragten (81 Prozent) denken, dass Landwirte in Deutschland für die von ihnen produzierten Lebensmittel keine fairen Preise erhalten.Knapp zwei Drittel (65 Prozent) der befragten Verbraucher sind dafür, die Folgekosten der Landwirtschaft wie z. B. Umweltschäden in die Preisbildung von Lebensmitteln miteinzubeziehen, auch wenn diese dadurch teurer werden. Zustimmung dafür gab es insbesondere von jüngeren Befragten.

    Volker Voss

Weitere Infos unter: www.vzbv.de

 

Pünktlich zur Grünen Woche

Der neue Kritische Agrarbericht 2021 erschienen

Im Rahmen der Grünen Woche, diesmal coronabedingt digtal, wurde der diesjährige Kritische Agrarbericht 2021 vorgestellt. Der Bericht verstehe sich als “Buch der Bewegung” mit fundierter Kritik am derzeitigen Agrarsystem, so die Autoren bei der Vorstellung. “Welt im Fieber – Klima & Wandel” lautet der Titel. Treffender könnte der Titel des neuen Kritischen Agrarberichts wohl kaum ausfallen. Beschreibt er doch die aktuellen Probleme in der Landwirtschaft. Da wäre beispielsweise der Klimawandel: “Beim Klimawandel ist die Konsequenz von zu spätem Handeln für die Landwirtschaft bereits existenziell spürbar.” Die Temperaturkurve kenne nur eine Richtung – nach oben – und Dürren und Extremwetter nehmen zu, sagte Frieder Thomas, Sprecher des Agrarbündnisses bei der Vorstelltung des neuen Kritischen Agrarberichts.

 

Agrarwende schnell angehen

Frieder Thomas fordert: “Wenn Landwirtschaft so betrieben werden soll, wie die Gesellschaft es will, dann brauchen wir dringend eine tiefgreifende Transformation, die auch ein angemessenes Einkommen für die Landwirtschaft sichert. Damit unsere Bauernhöfe umwelt- und klimaschonend werden, müsse die Agrarwende möglichst schnell angegangen werden, so Myriam Rapior vom Bundesvorstand der BUNDjugend. Dafür müssten die Agrar-Milliarden aud Brüssel konsequent für klimafrendliche Praktiken in der Landwirtschaft genutzt werden.

Antje Kölling von Demeter wies darauf hin, dass das Interesse an Ökolandbau wachse. Gemäß Ökobarometer des Bundeswirtschaftsministeriums kauften 37 Prozent der Verbraucher häufig Bio-Produkte. Schließlich können sich etwas über 18 Prozent der Landwirte eine Umstellung auf Bio vorstellen, zitierte sie weiter aus dem Ökobarometer. Das Ziel sei, 25 Prozent Ökolandbau in 2030 zu erreichen.

 

Klima- und Tierschutz im Schulterschluss

Für Frieder Thomas steht zudem fest, dass mehr Klimaschutz nur im Schulterschluss mit mehr Tier-, Arten- und Umweltschutz gelingt. Die planetarischen Grenzen seien ausgereizt. Unsere Ernährungsgewohnheiten seien aus ethischer, gesundheitlicher und ökologischer Sicht desaströs und trügen zu globalem Hunger, Dürre und dem Schwinden der Artenvielfalt bei, ergänzt Thomas. Konsum und Produktion von tierischen Produkten müssten erheblich gesenkt werden.

Auch auf die Corona-Krise wird eingegangen. So heißt es im Editorial: “Ein Virus schafft, was kein Klimawandel zuvor vermocht hat: Er stellt unser gesamtes Lebens- und Wirtschaftsmodell infrage. Es sei auch noch nicht absehbar, welche konkreten Auswirkungen die Corona-Krise auf die Wirtschaft, aber auch auf die Klima- und Biodiversitätskriese haben wird.

 

Detaillierte Argumente für den Transformationsprozess

Für gute Argumente auf all die vielen Fragen und Probleme hinsichtlich der notwendigen Transformation der Landwirtschaft sei der Kritische Agrarbericht eine wichtige Lektüre, empfielt Frieder Thomas. Auf all die oben genannten Punkte und weitere Themen in diesem Zusammenhang wird im neuen Kritischen Agrarbericht detailliert eingegangen. Auf insgesamt 11 Kapitel werden unter anderem Themen unter den Leitbegriffen Ökologischer Landbau, Natur und Umwelt, Wald, Tierschutz und Tierhaltung, Gentechnik, Agrarkultur, Verbraucher und Ernährungskultur abgehandelt.

 

Volker Voss

 

Kritischer Agrarbericht

ISBN: 978-3-930413-69-0
360 Seiten, 25,- €
Hrsg. AgrarBündnis e.V.
www.kritischer-agrarbericht.de

Einfach gesünder essen

 

Fertiglebensmittel unter die Lupe genommen

 

Die Message war klar und unmissverständlich: “Wir wollen einfach gesünder essen”, so Moderatorin Tanja Busse, zur Eröffnung des Verbraucherpolitischen Forums auf der diesjährigen Grünen Woche in Berlin. Darum heißt es: “Du entscheidest, was du ist, doch wie sieht es in der Realität aus?,” fragt Klaus Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in die Runde. Um diese, zunächst einfach formulierten Grundsätze in die Tat umzusetzen, bedarf es einiger Anstrengungen: faire Regeln und gesetzgeberische Unterstützung und ein vielfältiges Angebot, das nicht nur, wie heute weit verbreitet, aus schönen Bildchen und Labels auf den Lebensmittelverpackungen besteht.

So hat die Verbraucherzentrale Bundesverband seit über einem Jahr Zucker, Fett und Salz in Fertiglebensmitteln unter die Lupe genommen. Schließlich gibt es die Reduktionsstrategie der Bundesregierung, die unser Essen gesünder machen soll. Der Nutri-Score ist allerdings nur als erweiterte, freiwillige Nährwertkennzeichnung vorgesehen, was in der Praxis kaum funktionierte.

Die Verbraucherzentrale Bundesverbund erinnert daran, dass es seit Jahren eine intensive Diskussion in Deutschland über eine verbesserte gesunde Ernährung gibt, und zwar über Themen wie Lebensmittelampel, Ernährungsbildung oder Zuckersteuer. “Doch viele Jahre passierte: kaum etwas”, stellte die vzbv ernüchternd fest. Zwar hatte die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eine Nationale Reduktionsstrategie für weniger Zucker, Fett und Salz vereinbart, die dann im Dezember 2018 vom Kabinett beschlossen wurde, aber kaum Wirkung zeigte.

 

Klare Vorgaben, statt Selbstverpflichtung

 

Teil dieser Nationalen Reduktionsstrategie ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie. Das reicht jedoch nicht: Der vzbv fordert nun von der Bundesregierung die Ziele der Nationalen Reduktionsstrategie verbindlicher, schärfer und transparenter zu gestalten. Kinder müssten ganz besonders geschützt werden. “Ein Verbot von an Kinder gerichtetes Marketing ist notwendig, wenn Produkte nicht den Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation entsprechen, fordert der vzbv. “Unser Geschmack wird früh geprägt”, erinnert Klaus Müller. Gerade was Kindern angeboten werde, seien oft die reinsten Zuckerbomben und verweist ebenso auf die ungesunden Fast Food Angebote.

Über 50 Prozent der Erwachsenen und 15 Prozent der Kinder seien übergewichtig, weiß Professor Dr. Armin Spiller von der Georg-August-Universität Göttingen, Department für Agrarökonomie. Deutschland greife im Vergleich zu anderen EU-Ländern am wenigsten ein, kritisiert er. Eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband ergab, dass rund zwei Drittel der Verbraucher staatliche Maßnahmen zur Stärkung einer gesunden Ernährung befüfworten.

 

Volker Voss

 

Von Punkrock bis Puppenklinik

 

Das außergewöhnliche Ökozentrum in Wolimierz

 

“Bitte keine Zigarettenstummel auf den Boden werfen, Bierkorken sammeln und abgeben”, erinnert ein Rockmusiker vor dem Auftritt die zahlreich versammelten Konzertbesucher per Lautsprecher an die Grundsätze eines Ökofestes. Das war Ende August 2019 zu Beginn des jährlich stattfindenen ECO PUNK FESTIVAL, ein ökologisch ausgerichtetes Punk Rockevent im polnischen Wolimierz, bei dem die Avantgarde des polnischen Punkrocks ihren Auftritt hat. Viele der Musiker waren schon vor der Wende von 1989 aktiv und gehörten seinerzeit zur politischen Opposition.

Wer eine ganze Tüte Bierkorken abgibt, erhält zur Belohnung eine CD. Überall befinden sich blaue Säcke sowie Aschenbecher mit Sand gefüllt. Zudem gibt es jede Menge Hinweise zur Müllvermeidung. Der Glaspfand für ein Bier ist doppelt so hoch wie das Getränk. So ist garantiert, dass die leeren Gläser auch wieder den Weg zum Tresen zurückfinden. Und wer der Umwelt etwas besonders Gutes tun will, der bevorzugt ohnehin Kompostklos, verweist ein Hinweisschild in englischer Sprache.

Die Organisatoren des Festivals legten von Anfang an besonderes Augenmerk auf den Umweltschutz. Um die Sauberkeit während der Veranstaltung zu gewährleisten, werden in diesem Jahr sogar persönliche Aschenbecher verteilt. Es wird empfohlen, während der Veranstaltung keine Einwegflaschen zu kaufen. „Ökologie ist die größte Herausforderung unserer Zeit“, sagt Festival-Mitorganisator Teo.

Das ECO PUNK FESTIVAL ist aber nur eine von vielen Veranstaltungen und Festivals, die dort auf der Stacja Wolimierz (Station Wolimierz) am Dreiländereck Polen, Tschechien, Deutschland auf polnischer Seite im Herzen des Isergebirges stattfindet und viele Besucher anzieht. Seit nunmehr 28 Jahren gibt es das alternative Zentrum. Früher befand sich dort eine Bahnstation. Heute fahren zwar keine Züge mehr, aber es wird jede Menge Kultur geboten.

 

Kulturen aus aller Welt

 

Mittlerweile kann die Station Wolimierz auf eine lange Tradition zurückblicken. Von Anfang an gab es Initiativen zur Förderung von Ökologie und alternativem Lebensstil wie überall in Europa und der Welt. Da war anfangs schon das dreiwöchige ECOTOPII Festival. Damals kamen vierhundert Menschen aus aller Welt zusammen. Sie sammelten unter anderem den Müll vom nahegelegenen Fluss und kauften die meisten Produkte von lokalen Bauern. “Arbeit, Arbeit, Arbeit - und dabei viel Lachen, Musik und Theater machen”, heißt das Motto.

Außerdem gibt es dort kleine Produktionsstätten, eine Kneipe, eine Puppenklinik und Unterkünfte im Rahmen des Agratourismus. Es werden auch Kleidung und andere Dinge hergestellt. Zudem befinden sich auf dem Gelände eine Galerie und ein Theater, die als Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte dienen. “Hier treffen sich Kulturen und Subkulturen aus allen Teilen der Welt”, wird betont. Geboten werden das Jahr über auch viele Workshops zu unterschiedlichen Themenbereichen wie beispielsweise Yoga.

Ebenso wird auf eine intensive Zusammenarbeit mit dem Service Civil International (SCI) verwiesen. SCI ist eine internationale NGO, die Hilfs- und Friedensdienste auf freiwilliger Basis organisiert und unter anderem nationale und internationale Workshops und längerfristige Freiwilligendienste anbietet. In dem Zusammenhang kamen Aktivisten aus Spanien, Italien, Deutschland, Mexiko, Finnland und Rumänien nach Wolimierz.

Das Projekt gewann einst den Wettbewerb der Batory Foundation für das “beste Projekt für ländliche Gemeinschaften”. Kommt man auf das Gelände, fällt einem der unter der Leitung des Glaskünstlers Maciek Wokan entstandene außergewöhnliche Spielplatz aus Holzstrukturen mit Türmen und Schaukeln auf. Da der Spielplatz jedes Jahr sein Gesicht und seine Form verändert, “hat er sich mitterlweile zu einem wahrhaft avantgardistischen und lebendigen Kunstwerk entwickelt”. So hat er in letzter Zeit sogar die Form eines Piratenschiffs angenommen.

Die Station Wolimierz, ebenso die nahe gelegenen Dörfer, sind bekannt als Orte ekologischen Tourismus und bieten dafür eine ausgezeichnete Infrastruktur.

 

Volker Voss

 

Stacja Wolimierz

59-820 Pobiedna

Ulica Dworcowa 73
Polen

www.stacjawolimierz.pl

Pol'and'Rock Festival mit neuem Müllvermeidungskonzept

 

Auch dieses Jahr kamen Anfang August wieder mehrere Hunderttausend Rockfans zum dreitägigen Pol'and'Rock Festival ins polnische Kostrzyn (Küstrin) nahe der deutschen Grenze. Während eine Berliner Tageszeitung das jährlich stattfindene Event im nachhinein als “ganz normalen Wahnsinn” bezeichnete, waren es für die Festivalbesucher drei ausgelassene Tage mit vielen Auftritten polnischer und internationaler Pop-, Rock- Punk und Metal-Bands. In diesen drei Tagen entwickelte sich die 18 Tausend Einwohner Gemeinde zu einem riesigen Kulturspektakel.

 

Während das Festival in früheren Jahren, im wahrsten Sinne des Wortes, stellenweise eher den Eindruck einer riesigen Müllhalde hinterließ, haben die Veranstalter ein neues Müllvermeidungskonzept entwickelt. “Wir arbeiten hart daran, das Festival zu einer umweltfreundlicheren Veranstaltung zu machen. Wir haben neue umweltfreundliche Lösungen eingeführt, um sicherzustellen, dass wir so wenig Spuren wie möglich hinterlassen”, so die positive Bilanz der Veranstalter. Schließlich sahen sie allen Grund, um sich im Nachhinein auf ihrer Website für die aktive Teilnahme der Besucher an der Öko-Initiative zu bedanken. Denn die Festivalbesucher haben am Ende der Veranstaltung ihre Zeltplätze gereinigt und alles recycelt, freuen sich Veranstalter.

 

Müllsäcke an die Festivalbesucher

 

Was war Gegenstand der neuen Öko-Initiative? Die Festivalbesucher haben jeweils mehrere Müllsäcke erhalten, um ihre Campingplätze sauber und ordentlich zu halten. Insgesamt gab es 157 ausgewiesene Müllhalden. Zum ersten Mal waren Einweg-Plastiktragetaschen in der Einkaufsgasse verboten. Die Anbieter von Lebensmitteln verzichteten auf Plastikbesteck und Verpackungen. Stattdessen gab es biologisch abbaubare Behälter. Auch die Festivalpartner und die Gemeinde Kostrzyn haben sich aktiv an dem Öko-System beteiligt. So wurden beispielsweise von der polnischen Großbrauerei, die die Festivalbesucher mit Gerstensaft versorgte, Workshops und Öko-Wettbewerbe durchgeführt, die Getränke nur in Bechern aus recycelten Materialien bzw. in Mehrwegbechern ausgegeben.

 

Eine große polnische Internetauktionsplattform bot den Besuchern in einen lehrreichen Labyrinth mit Wasserfontänen die Möglichkeit zum Auffüllen von Wasserflaschen. Die Festivalbesucher wurden zudem darüber informiert, dass das Wasser aus den installierten Armaturen trinkbar ist, was wiederum das Benutzen von Kunststoff-Wasserflaschen überflüssig macht. Für Fahrräder wurden sichere Abstellplätze zur Verfügung gestellt, wo auch kleine Reparaturen und Wartungsarbeiten durchgeführt werden konnten. Zudem präsentierten sich viel NGOs.

 

Teil der globalen Umweltbewegung

 

Das jährlich stattfindende Event mit Besuchern aus vielen Ländern auf einem ehemaligen Truppenüberungspaltz unweit der Stadt Kostrzyn läuft unter dem Motto „Liebe, Freundschaft und Musik“. Bis 2017 hieß das Spektakel „Przystanek Woodstock“ (deutsch: Haltestelle Woodstock), wurde ab letzten Jahr aus urheberrechtlichen Gründen aber in Pol'and'Rock Festival umbenannt.

 

Die Veranstalter sehen ihre Öko-Aktivitäten als Teil der globalen Umweltbewegung: “Wir sind uns bewusst, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, aber wir wissen, dass der Wandel bereits begonnen hat. Es ist unsere Aufgabe, alles zu tun, was wir können, um die Verschmutzung der Erde zu stoppen.”

 

Volker Voss

 

Wandern nach Müllers Lust

 

Und sich vom schnelllebigen Leben ablenken lassen

“Das Wandern ist des Müllers Lust”, lautete einst eine Zeile des deutschen Dichters Wilhelm Müller, das er 1821 unter dem Titel Wanderschaft als Teil der Gedichtsammlung Die schöne Müllerin veröffentlichte. Nach wie vor ist die Lust am Wandern ungebrochen. Wandern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Der Deutsche Wanderverband, “eine starke Lobby für Wandern, Kultur und Naturschutz” präsentierte sich dieses Jahr wieder auf der ITB Berlin und bot seine umfangreichen Programme an.

Vorgestellt wurde das 180 Seiten starke Jahresmagazin “Wanderbares Deutschland” für 2019 mit dem Schwerpunkt ´Regionale Schätze: Wandern.Entdecken.Genießen` “Denn nicht nur die Naturlandschaften sind hierzulande besonders reizvoll. Oft verleihen altes Handwerk, Traditionen, Brauchtum und Kultur den Wanderregionen ein markantes Profil, das den Ballungszentren inzwischen fehlt”, preist Lutz Bormann, Chefredakteur des Jahresmagazins das Wandern.

“Sich von der Natur und vom schnelllebigen Leben ablenken zu lassen”, empfielt Prof. Heinz-Dieter Quack, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut für Tourismus- und Regionalforschung in Salzgitter. “Als Wanderer wissen wir, wie wichtig ein intaktes Ökosystem auch für uns Menschen ist, verweist Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Deutschen Wanderverbandes.

 

Was ist eigentlich Pflanzenzüchtung?

 

Der Bundesverband Pflanzenzüchter informiert

 

Pflanzenzüchtung ist in der Öffentlichkeit kaum ein Thema. Auch in den Medien wird es nur selten behandelt. Somit ist der Kenntnisstand dazu in der Bevölkerung auch relativ gering. Die Grüne Woche bot dieses Jahr den Anlass, sich des Themas etwas intensiver anzunehmen. Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP) wies darauf hin, dass durch Pflanzenzüchtung der Ertrag und die Qualität von Pflanzen, die für die Ernährung des Menschen wichtig sind, deutlich gesteigert werden. “Neben der Qualitätsverbesserung von Kulturpflanzen ist die Steigerung der Widerstandsfähigkeit gegenüber widrigen Umweltbedingungen ein zentraler Bereich der Pflanzenzüchtung und angesichts der sich zurzeit rasch verändernden Wetter- und Klimabedingeungen hochaktuell”, steht im Geschäftsbericht des BDP. “Wir sind jedoch weit vom Endprodukt entfernt, so dass die Menschen folgerichtig wenig Kenntnis über Pflanzenzüchtung haben. Es ist schwer, den Verbraucher mit diesem Thema zu erreichen”, weiß Stephanie Franck, Vorsitzende des BDP und stellvertretende Vorsitzende der Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation.

 

Kenntnisstand zur Pflanzenzüchtung

 

Eine Umfrage zum Thema Pflanzenzüchtung im Auftrag des BDP hat ergeben, dass sich über 70 Prozent der Bevölkerung unzureichend über Pflanzenzüchtung informiert fühlt. Zwar ist den meisten Befragten die Anzahl an Pflanzen nicht bekannt, die in Deutschland züchterisch bearbeitet werden. Doch die bekannteste Züchtungsmethode, die die meisten kennen, ist die Gentechnik, die jedoch keinen guten Ruf hat. Über 80 Prozent gaben an, schon einmal über Gentechnik gehört zu haben. Die meisten der Befragten halten die Gentechnik für eine verzichtbare Methode. Die Züchtungsmethode “Kreuzung und Auslese” ist über 70 Prozent der Befragten ein Begriff, die als notwendig für die Entwicklung neuer Pflanzensorten angesehen wird.

Als Hauptakteure in der Pflanzenzüchtung werden von fast 80 Prozent Forschungseinrichtungen genannt. Großkonzerne werden von der Hälfte der Befragten mit der Pflanzenzüchtung in Verbindeung gebracht. Ein Drittel sehen den Lebensmitteleinzelhandel als Player auf diesem Gebiet. Und 13 Prozent haben die Pflanzenzüchtung bei der Politik angesiedelt. Fast 60 Prozent halten die Hungerbekämpfung für das größte Potenzial der Pflanzenzüchtung. Grundsätzlich hält die überwiegende Mehrheit die staatliche Prüfung und Zulassung bei einer neuen Pflanzensorte für notwendig. Nur 16 Prozent stehen der Pflanzenzüchtung grundsätzlich kritisch gegenüber.

 

Uralte Methode

 

Mit der ersten Auslese von Urformen des Weizens im fruchtbaren Zweistromland begann vor etwa 12.000 Jahren die Pflanzenzüchtung. Über Jahrtausende wurden die Werkzeuge der Pflanzenzüchtung weiterentwickelt, um bessere Sorten und hochwertiges Saatgut zu erzeugen. Heute bedienen sich die Unternehmen verschiedener Methoden, um die Züchtungsziele zu erreichen. Pflanzenzüchtung hat sich zu einer Spitzentechnologie entwickelt.

 

Volker Voss

 

Aus. "Meilensteine der Pflanzenzüchtung" bdp-online.de, Pressekonferenz des BDP auf der Grünen Woche 2020

Aktuelle Radreiseanalyse 2019

Immer mehr Deutsche sind mit dem Rad unterwegs

Laut dem Internetportal “Holland Fahrradland” (www.hollandfahrradland.de/radfahren-in-holland) wird nirgendwo sonst auf der Welt so viel Fahrrad gefahren wie in den Niederlanden. Es soll in dem Nachbarland sogar mehr Fahrräder als Menschen geben, berichtet das Internetportal. Ob Deutschland mit den Holländern in Sachen Radeln tatsächlich mithalten kann, ist nicht sicher, wird jedoch vom ADFC behauptet. Immerhin können sich die aktuellen Zahlen zum Radeln in Deutschland in absoluten Zahlen durchaus sehen lassen.